Rückblick

AD(H)S-Fachtag Sachsen 2025

                           "Mit AD(H)S mittendrin – nicht nur dabei!"                          


Der Sächsische AD(H)S-Fachtag 2025 bot einen breiten und zugleich fundierten Überblick über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, praxisnahe Ansätze und gesellschaftliche Fragestellungen rund um das Thema AD(H)S.                                                                                                      Ziel der Veranstaltung war es, Fachwissen zu vermitteln, den fachlichen Austausch zu fördern und unterschiedliche Perspektiven aus Praxis, Wissenschaft und Selbsthilfe zusammenzuführen.                                              Insgesamt nahmen rund 200 Teilnehmer an dem Fachtag teil.

Im Rahmen von insgesamt rund 20 Fachvorträgen und Praxisbeiträgen wurden vielfältige Aspekte aus Medizin, Pädagogik, Psychologie, Selbsthilfe und sozialer Arbeit beleuchtet.                                                            Diese inhaltliche Breite ermöglichte einen multiperspektivischen Blick auf AD(H)S und trug wesentlich zur fachlichen Tiefe und Praxisnähe der Veranstaltung bei.

Im Mittelpunkt vieler Beiträge stand die Emotionsregulation bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit AD(H)S. Aus neurobiologischer und entwicklungspsychologischer Sicht wurde deutlich, dass emotionale Impulsivität, innere Unruhe und eine eingeschränkte Emotionssteuerung zentrale Herausforderungen im Alltag darstellen. Gleichzeitig zeigten die Vorträge auf, dass Emotionsregulation erlernbar ist und durch Struktur, verlässliche Beziehungen, Co-Regulation, Psychoedukation und alltagsnahe Strategien wirksam unterstützt werden kann.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklungsphase der Pubertät. Es wurde herausgearbeitet, dass sich AD(H)S-Symptome in dieser Zeit häufig verändern oder verstärken und Themen wie Selbstwert, Identitätsfindung, Scham und soziale Zugehörigkeit an Bedeutung gewinnen. Die Rolle der Eltern und Bezugspersonen als stabilisierende, gleichzeitig aber Autonomie ermöglichende Begleiter wurde dabei mehrfach hervorgehoben.

Darüber hinaus befassten sich mehrere Beiträge mit Komorbiditäten bei AD(H)S, insbesondere mit psychischen Begleiterkrankungen sowie Suchtrisiken. Deutlich wurde, dass AD(H)S in vielen Fällen eine lebensbegleitende Thematik darstellt und frühzeitige, kontinuierliche sowie ganzheitliche Unterstützungsangebote entscheidend zur Stabilisierung und Prävention beitragen können.

Die Bedeutung von Vernetzung und interdisziplinärer Zusammenarbeit wurde insbesondere im Zusammenhang mit schulischen Kooperationsverbünden zur Inklusion verdeutlicht. Eine enge Abstimmung zwischen Schule, Jugendhilfe, therapeutischen Angeboten und weiteren Akteuren wurde als wesentliche Grundlage für gelingende inklusive Bildungs- und Unterstützungsprozesse beschrieben.

Praxisnahe und kreative Beiträge rundeten das Programm ab. Methoden wie kreatives Schreiben, Selbstausdruck und Selbsthilfe wurden als wirksame Zugänge zu mehr Selbstwirksamkeit, Ressourcenorientierung und gesellschaftlicher Teilhabe vorgestellt. Selbsthilfeangebote wurden dabei als wichtige, niedrigschwellige Ergänzung professioneller Hilfesysteme eingeordnet.

Insgesamt zeigte der Fachtag eindrucksvoll, dass AD(H)S ein komplexes und lebensbegleitendes Thema ist, das differenzierte, vernetzte und wertschätzende Unterstützungsstrukturen erfordert. Die große Resonanz und die hohe Teilnehmendenzahl bestätigten den bestehenden Bedarf an fachlichem Austausch, Information und Begegnung auf Augenhöhe.
 
Die Durchführung des Fachtags war in dieser Form nur durch die Unterstützung der AOK PLUS möglich, die damit einen wichtigen Beitrag zur fachlichen Aufklärung und zur Stärkung der Versorgungsstrukturen im Bereich AD(HS) leistete.